Dies ist absolut nicht ernst zu nehmen

Deutsche Post spricht sich für Vorratsdatenspeicherung aus

In einer offiziellen Erklärung hat sich die Konzernführung der Deutschen Post heute für die Erfassung von Internetdaten ausgesprochen. „Das Internet war uns noch nie geheuer“, heißt es in der Erklärung.

Laut ersten Kommentaren sind die Aussagen der Post Bosse auf die Einkommensverluste, die die Post durch das Internet erleiden musste, zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund wirkt auch die Aufforderung eines führenden Postangestellten, man solle doch endlich wieder zu Füller und Papier greifen, das sei doch viel persönlicher und zeuge von Niveau, berechnend und kaltschnäuzig. Steckt am Ende gar die Briefträgerlobby hinter dem ganzen Gesetzesentwurf? Bekommt Justizministerin Zypries jetzt ein lebenslanges Abo der konzerninternen Zeischrift „POST“?

Jetzt schlägt das Imperium also zurück. Und mit Recht. Wenn das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung tatsächlich in Kraft tritt, könnten Briefe wieder zur ersten Wahl werden, um Nachrichten zu übermitteln, schließlich gibt es das Briefgeheimnis. Das würde der Deutschen Post wieder Geld in die Kassen spülen. Damit könnten den Briefträgern endlich neue Schuhe gekauft, neue Briefmarken mit anregenden Nacktmotiven gedruckt, Managergehälter aufgestockt und der arg geschrumpfte Fuhrpark der Deutschen Post um einige BMW Audis Mercedes angemessene Autos aufgestockt werden.

Ist es da verwunderlich, dass die Briefträgerbosse Aktivisten, die sich gegen die neuen Bestimmungen wehren, als Parasiten bezeichnen? Ich meine nein, schließlich könnte es nach Inkrafttreten des Gesetzes einen neuen Briefboom geben. „Auch diese langhaarigen Bombenleger profitieren ja davon“, erklärte mein Briefträger, als ich ihn mit den Aussagen seiner Chefs konfrontierte. Die Post macht sich auf zu neuen Glanztaten. Sie wird die Börse und den neuen Brief Mount Everest im nu erklimmen und nach der Deutschen Telekom zum zweit beliebtesten und zweit erfolgreichsten Unternehmen Deutschlands werden.

Natürlich hat die Sachen einen Haken (so wie alles im Leben, würde unsere Putzfrau jetzt sagen. Die hat vielleicht eine negative Einstellung zum Leben. Aber davon ein Andermal), wo waren wir? Ach ja, schließlich wurde jüngst das Briefmonopol der Deutschen Post aufgehoben. Die Post ist jetzt nicht mehr DIE Post sondern nur noch eine Post unter vielen. Um wieder den absoluten Monopolstatus zu erlangen könnte die Post demnächst also damit werben, dass verschickte Informationen absolut sicher und unregistriert zum Epfänger gelangen.

Mit dieser Strategie wird die Deutsche Post das Unternehmen des Jahres. „Wir sind gut auf diesen Kampf vorbereitet“, heißt es in der Erklärung der Postoberhäupter, „das Internet wird schon sehen, was es davon hat, wenn es sich mit uns anlegt. Wir haben die Wende überlebt und auch die Privatisierung, da ist doch das Internet ein Klacks“.

Also ich habe mir heute schon schönes neues Briefpapier gekauft. Man muss ja mit der Zeit gehen.

der erbsenzähler

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