Ruhr-Reggae-Summer 2007

Die Sonne geht gerade unter, auf dem Gaskocher steht eine Dose „Spirli-Nudeln mit Fleischklößchen“ und lässt sich mit dem warm werden Zeit. Ich trinke Lauwarmes Schloss-Pils aus der PET-Flasche während der Offbeat über den Zeltplatz dröhnt und ein süßlicher Ganja-Duft für entspannte Stimmung sorgt – Dieser Eindruck ist mir vom Ruhr-Reggae-Summer irgendwie am meisten hängen geblieben.

3 Tage Reggae bis zum umfallen, von 14:00 bis 5 Uhr morgens. Trotzdem hätten es auch gut und gerne noch 3 Tage mehr sein können.

An dieser Stelle noch mal ein fettes Dankeschön an Lisa, ohne die ich keine Ahnung von diesem Festival gehabt hätte. 3 Tage mit so einem Line-Up gibts nicht oft für 15€.

So, jetzt aber genug gefaselt, hier kommt der Bericht:

Nachdem die Zelte aufgebaut und das Bier eingekauft waren, machten wir uns auf zum Stadion von „Galatasaray Mülheim“, wo die Bühne aufgebaut war. Dort zeigten Uwe Banton und Ganjaman sehr eindrücklich, dass deutscher Reggae auch noch mehr als Gentleman und Patrice zu bieten hat. Geiler Auftritt, mehr gibts dazu nicht zu sagen. Auch sonst war das Programm sehr gut, wenngleich mir viele Namen neu waren. Vor allem Ziggi, der letzte Auftritt an diesem Tag, war spitze.

Der beste Act am zweiten Tag war meiner Meinung nach Jahcoustix, vielleicht auch der beste deutsche auf dem ganzen Festival. Glücklicherweise sehe ich den wie viele andere am Chiemsee nochmal. Mono&Nikitaman haben zwar echt gut Stimmung gemacht und ne geile Show abgeliefert, von der Musik wars aber nicht ganz mein Fall. Nach Nosliw, der als letzter auf der Bühne spielte, gings dann ins U-Club-Zelt, wo verschiedene Soundsystems ihr bestes gaben. Dancehall, super Stimmung und geschätzte 35°C machten zwar laune, waren aber auch ziemlich anstrengend, deswegen machten wir uns bald auf zur Beach-Area. Unter freiem Himmel barfuß im Sand tanzen war dann doch angenehmer.

Morgens am dritten Tag machten sich die anderen dann aus dem Staub, entweder weil sie noch irgendwas vorhatten oder weil das Wetter echt scheiße war. Ich wollte aber unbedingt abends noch Groundation sehen, deswegen entschied ich mich, alleine noch einen Tag da zu bleiben. Das war keine schlechte Entscheidung.
Es regnete zwar immer noch, als ich um eins aufwachte, mir wars aber ziemlich schnuppe. Ich machte mir den letzten Rest der Cornflakes mit einem letzten Schluck Milch und frühstückte im Zelt.
Um zwei fing die erste Band an, zu spielen, also ging ich in Regenjacke und Badehose vor die Bühne und tanzte mit den anderen 20 Leuten, die grade nichts besseres zu tun hatten. Wenn einem vom tanzen warm wird und die Band wunderschönen Sommerwetter-Reggae spielt, vergisst man schnell, dass es schüttet wie aus Kübeln.
Später spielten dann Jah Sesco und Marlene Johnson, irgendwie ein lustiges Gespann: Jah Sesco, ein brüllender und durch die Gegend springender Dancehall-Artist neben einer kleinen, zierlichen Marlene Johnson mit einer wunderschönen Engelsstimme. Klang aber ziemlich gut und zu allem Überfluss verschüttete die bildhübsche Sängerin auch noch Wasser auf ihrem weißen Oberteil.
Nach dem Auftritt von Mellow Mark und Pyro, die ordentlich Lärm gemacht hatten, sollte dann eigentlich Bitty McLean wieder für etwas entspanntere Stimmung sorgen, bevor das Highlight des Abends, oder eigentlich des ganzen Festivals anstand: Groundation, laut unserem scheinbar dauerbreiten Moderator Andrew Murphy „eina deh beste Reggaebands we have today“. Doch erstmal musste Bitty McLean auftreten, der kam zwar irgendwann, aber fast eine Stunde zu spät, erkältet und ohne Band. Ich frage mich ernsthaft, ob er mit dem Fahrrad unterwegs war. Nachdem er sich tausend mal entschuldigt hatte, sang er dann zur CD – und ich war überrascht, was für eine tolle Vorstellung er da lieferte. Man merkte wirklich, wie er sich alle Mühe gab und es war einfach schöne, chillige Feuerzeug-in-die-Luft-halte-Musik. Der Typ war mir irgendwie sympathisch.
Nichtsdestotrotz wurde es langsam Zeit für den Groundation-Auftritt, schließlich durfte nur bis 12 gespielt werden und eigentlich hätten sie schon anfangen sollen. Irgendwas muss aber beim Umbau der Bühne falsch gelaufen sein, die Tontechniker liefen immer wieder auf die Bühne rauf und wieder runter, es zog sich ewig hin und die Zeit verstrich, die 1 1/2 Stunden, die eigentlich eingeplant waren, wurden immer weiter beschnitten. Noch eine Stunde für Groundation… noch 50 Minuten… noch 40 Minuten… halbe Stunde noch… Und dann schien endlich auch das Keyboard zu funktionieren, Groundation kam auf die Bühne.
Trotzdem war ich enttäuscht, eine halbe Stunde für Groundation, für die ich extra einen Tag länger geblieben war und die eigentlich den krönenden Abschluss für dieses geile Festival bilden sollten. Doch als die ersten Töne gespielt waren, vergaß ich das alles und bekam eine Gänsehaut. Der Mix aus Reggae und Jazz, den die da spielten war bombastisch: zum ersten mal war der Rasen vor der Bühne so voll dass man sich kaum noch bewegen konnte, und das obwohl die Hälfte der Meute schon am Morgen abgereist war. Als ich das nächste mal auf die Uhr sah war es viertel nach 12 und ich dachte nur „Geil, die spielen weiter!“. Und das taten sie auch, bis ein Uhr, und lieferten anschließend noch eine Menge Zugaben. Als letztes spielten sie „War“ von Bob Marley. Der Abend war gerettet, ich denke nicht nur für mich. Die restliche Nacht schlug ich mir dann im U-Club-Zelt um die Ohren, bis auch dort die letzten Lichter ausgingen und das Festival offiziell beendet wurde.

Das waren 3 absolut geile Tage, und ich freu mich wie Bolle auf nochmal 3 Tage Chiemsee in 3 Wochen.

In diesem Sinne

Jah Bless

der Zwerghamster

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